Thomas Battenstein. Gitarrist.
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Thomas Battenstein

Der Blick geht in die Weite, über Wiesen, über Bäume, über ein Meer aus braun-gelben Blättern. Über den Horizont schwebt ein Flugzeug gen Lohausen, aus den Boxen schallt die gedämpfte Trompete von Miles Davis und vermittelt ein Gefühl von Blauer Stunde mitten am Tag. Das ist die Atmosphäre, in der ganz besondere Musik entsteht, in der den Gedanken Flügel wachsen, die sie hoch über die Wälder von Kalkum tragen und sanft wieder landen lassen dort, wo einer lebt, der aus Bildern Töne zu zaubern versteht: Thomas Battenstein.

Theoretisch müsste beinahe jeder zehnte Düsseldorfer ein musikalisches Produkt dieses Gitarristen im Schrank haben. Auf die Idee kann man zumindest kommen, wenn man von ihm erfährt, dass er in den vergangenen 15 Jahren fast 50.000 Platten und Notenhefte verkauft hat. Gäbe es so etwas wie Düsseldorfer Hitparaden, dann würde Battenstein wohl im gut situierten Mittelfeld notiert, zwar weit hinter Kraftwerk und den Toten Hosen, aber auch weit vor jenen Bands, die heute kraftvoll ihre neue CD präsentieren und schon morgen wieder dem Vergessen anheim fallen.

Vergessen kann man einen wie Thomas Battenstein nicht, denn der 55-Jährige bringt in jedem Jahr kurz vor Weihnachten eine Platte heraus und hat sich so eine veritable Fangemeinde erspielt. Gerade steht seine neue in den Plattenläden und in seinem Internetangebot www.tomtemusic.de zum Reinhören und Erstehen bereit. "Light & Colours" heißt sie und ist "The Best of Thomas Battenstein" untertitelt. Zu hören sind wunderbar perlende Gitarrenläufe, swingende instrumentale Ausflüge in die Natur der Jahreszeiten, beschwingte Touren durch einen ausgedehnten Klangkosmos zwischen Rock, Jazz, Latin und Blues.

"Das ist eine Zwischenbilanz. Ich möchte etwas Abstand schaffen, um meine nächsten Schritte vorzubereiten", sagt Battenstein. Also ist er dieses Jahr nicht wie sonst mit befreundeten Musikern ins Studio gegangen, sondern hat sich der Aufarbeitung seines durchaus üppigen Gesamtwerkes gewidmet. Vielleicht ist es an der Zeit, gerade jetzt so etwas anzugehen, denn auch der Beatles-Produzent George Martin hat ja mit "Love" gerade das Gesamtwerk der Beatles neu geordnet und eine erfolgreiche Auswahl in den Charts platziert.

"Light & Colours" ist für Battenstein so etwas wie ein Meilenstein, an dem er kurz ruht und sein bisheriges Schaffen noch einmal Revue passieren lassen kann. An seine frühen Jahre erinnert er sich im Gespräch mit einem deutlichen Lächeln. Anfang der 70er Jahre war er Mitbegründer der Politrockband MEK Bilk, die sich mühte, so etwas wie die Düsseldorfer Ausgabe von Ton, Steine, Scherben zu sein. In einer Zeit, als leer stehende Häuser kurzerhand instandbesetzt wurden und sich dort ein leidlich anarchistisches, aber auch oft buntes Leben entspann, war Battenstein mittendrin. "Der Proberaum war das Zimmer des Schlagzeugers", erinnert er sich an frühe Tage in einem besetzten Haus an der Bilker Martinstraße und an die erste Platte vom Musikalischen Einsatzkommando. "Kein Scheuern, kein Nachwischen" hieß die und präsentierte viel Ambition und wenig Reinklang.

"Das hatte viel mit Selbstfindung zu tun", bilanziert Battenstein, der sich stets ein bisschen wie ein Außenseiter in der knallharten, von vielen Polizeikontrollen begleiteten Hausbesetzer- und Politszene vorkam. "Ich war immer das Bürgersöhnchen", sagt er, und weil seine Ansichten nicht immer mit denen der Wortführer konform gingen, nahm er irgendwann seinen Hut.

"Ich wollte Musik für sich sehen und nicht immer nur unter politischen Gesichtspunkten", erinnert er sich. Er gründete die Rockband Nox Nox, die zwei Platten auf den Markt warf und trotz der Unterstützung der großen Plattenfirma EMI und diverser Auftritte im Hauptabendprogramm des deutschen Fernsehen höchst erfolglos blieb.

Die Erfahrungen mit der Politszene und der Plattenindustrie lehrten den gelernten Grafik-Designer, dass es sich auf eigenen Füßen immer noch am besten steht. So etablierte er sich mit Soloauftritten und arbeitet seither als Gitarrenlehrer. Über 500 Schülern hat er schon gezeigt, wie man den sechs Saiten Magie entlocken kann. Immerhin 20 Schüler betreiben das mit der Musik inzwischen professionell und spielen heute in respektablen Bands wie beispielsweise bei den Beatlesons.

Zurzeit hat Battenstein 28 Schüler und kann sich über Nachschubprobleme nicht beklagen. "Meine ganze Existenz beruht auf Empfehlungen", sagt er. Wie man schnell merkt, müssen es gute Empfehlungen sein. Der eine erzählt von ihm, der andere hat ihn mal bei einem Auftritt erlebt, und so ergibt sich das eine aus dem anderen. Für Battenstein gibt es keine Marketing-Abteilung. Er macht alles selber in seinem Kalkumer Häuschen, weit ab vom Schuss. "Ich genieße die Distanz zum schnellen Leben in der Stadt und beobachte das kulturelle Geschen aus meiner Randlage", sagt er. Von seiner Terrasse beobachtet er oft die Flugzeuge, wie sie starten, wie sie landen. Von dort hat er kürzlich auch den Airbus A 380 einschweben gesehen. Da soll man schon auf Ideen kommen.

Wie viele Ideen das sind, lassen seine 15 Platten nicht nur erahnen. Die streifen musikalisch nämlich nicht nur durch die Jahreszeiten, sie verbeugen sich auch vor den großen musikalischen Helden, die Battenstein hörbar beeinflusst haben, vor den Beatles, den Rolling Stones, den Doors, aber auch vor all den Jazzern, die ihm mit vertrackten Kombinationen den musikalischen Weg ausleuchteten. Und zwischendrin zeigt er gleichfalls, dass er auch als klassischer Gitarrist sein Handwerk ergreifend beherrscht Mal klingt das ganz simpel, mal höchst kompliziert, aber immer klingt es nach Battenstein.

Man hört den Platten zudem an, wie sich Battenstein seiner Musik nähert: als Grafiker, der er ist. "Ich begreife Musik als Illustration dessen, was man sieht", sagt er. "Ich könnte die Musik so nicht machen, wenn ich nicht diese Basis hätte als Grafiker, als Mensch, der sehen gelernt hat", schiebt er nach und nimmt natürlich auch gerne Anleihen beim Film: "Alle meine Platten sind Soundtracks zu dem, was ich erlebe, was ich empfinde, was ich sehe."

Den größten Erfolg feiert er alle Jahre wieder mit einer Platte, die komplett aus dem jazzrockigen Rahmen fällt. Die heißt ganz einfach "Stille Nacht" und lässt 50 Advents- und Weihnachtslieder hören, instrumental und schlicht inszeniert, befreit von Schwulst und Pathos, einfach nur einfach.

Die Idee zu der Platte, die mittlerweile schon in 15 000 Haushalten vorrätig sein sollte, kam, als Battenstein ein etwas größeres Mitbringsel brauchte. "Ich wollte Musik verschenken, die in mein Weihnachten passt, etwas, das zu tun hat mit Staunen, Kulleraugen und viel Freude", sagt er. Dementsprechend ist auf dem Innencover der Platte auch ein blonder Steppke zu sehen, der im Schlafanzug vor dem Weihnachtsbaum steht. Natürlich ist das der kleine Thomas.

Der große Thomas sieht sich als Selbstvermarkter dieser Tage natürlich auch mit den Schwierigkeiten der großen Plattenfirmen im Kleinen konfrontiert. "Es wird schwieriger, in die schwarzen Zahlen zu kommen", sagt er, beruhigt aber alle, die nun eine Pause seines kreativen Schaffens befürchten: "Es hat sich bisher immer gelohnt, das zu machen."

Fürs nächste Jahr hat er sich vorgenommen, an die gitarristischen Landschaftsmalereien seiner Werke "Ile d'Yeu" und "Wintertime" anzuknüpfen. "Ich möchte etwas mit ganz viel Raum machen, wenig, aber intensiv. Vielleicht etwas Spirituelles", kündigt er an und hat natürlich wieder die zu einem Grafiker passende Vorstellung parat: "Ich möchte mit wenigen Pinselstrichen ein perfektes Bild in den leeren Raum hinein malen." Worum es sich dann thematisch drehen soll? Eigentlich eine überflüssige Frage, bei einem, der mit den Beatles aufgewachsen ist: "Das wichtigste Thema ist die Liebe."

Auf der Bühne

Über mangelnde Live-Erfahrung kann man bei Thomas Battenstein nicht klagen. Mehr als 250 Auftritte stehen in der Auftrittsbilanz bei MEK Bilk, rund 200 bei Nox Nox, und weit über 600 Konzerte hat er schon als Solo-Künstler absolviert.

Auf Platte

"Stille Nacht" heißt der Bestseller im Programm. Die schönste CD ist jedoch sicherlich die 1997 erschienene CD "Wintertime", ein stimmungsvoller Gitarren-Streifzug durch eine Jahreszeit. Viele Fans mögen auch sehr das Album "Guitaropa", auf dem Battenstein eine musikalische Reise durch 23 Länder unternimmt. Über 80 klangliche Kostenproben bietet er auf seiner Internetseite www.tomtemusic.de

Auf Achse

Als Ein-Mann-Betrieb muss Thomas Battenstein alles selbst erledigen. Von der Komposition bis zum Vertrieb reicht das, umfasst aber auch das alljährliche Rühren der Werbetrommel, die Schaltung von Anzeigen und die Übernahme eines durch Studiokosten nicht unbeträchtlichen finanziellen Risikos.

Hans Hoff, Welt am Sonntag, 3. Dezember 2006