Thomas Battenstein. Gitarrist.
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… aber immer klingt es nach Battenstein

Der Düsseldorfer Gitarrist Thomas Battenstein hat ein Album mit Weihnachtsliedern herausgebracht.

Printen, Marzipankartoffeln, Spekulatius, Schokoladennikoläuse. In den Supermärkten türmen sich die Weihnachtssüßigkeiten schon seit Wochen. Eigentlich schlimm. Aber in diesem Jahr kann Thomas Battenstein darüber nur lachen.

Denn für den Düsseldorfer Musiker ist schon das ganze Jahr Weihnachten. Als der Frühling zarte Knospen an die Äste setzte, hörte der Gitarrist auf seinen Autofahrten "Last Christmas". Und als im Frühsommer die erste Hitzewell das Land heimsuchte, da schallte aus Battensteins Wagen "Let It Snow".

Das lag daran, dass Battenstein von der fixen Idee besessen war, ein besonderes Weihnachtsalbum produzieren zu wollen. Eines, das den alten Liedern zum Fest ein frisches Gewand verpasst. Eines, das man hören kann, ohne gleich den klebrigen Glühwein zu riechen. Eines, das die Hörer auch mal aus winterlicher Tristesse herausheben sollte und mit ein bisschen Latin-Flair und Bossa-Anklängen in südliche, warme Gefilde versetzen könnte. Schließlich wird dort auch Weihnachten gefeiert. "My Christmas Grooves" heißt nun die Platte, auf der Battenstein 22 Klassiker und etliche Eigenkompositionen vereint.

Anfang der 70er-Jahre war Battenstein Mitbegründer der Politrockband MEK Bilk. In einer Zeit, als leer stehende Häuser kurzerhand besetzt wurden, war Battenstein mittendrin. "Kein Scheuern, kein Nachwischen" hieß die erste Platte und präsentierte viel Ambition und wenig Reinklang.

"Das hatte viel mit Selbstfindung zu tun", sagt Battenstein, der sich stets wie ein Außenseiter in der knallharten Hausbesetzer – und Politrockszene vorkam. "Ich war immer das Bürgersöhnchen", sagt er. Und weil er nicht immer mit den Wortführern einer Meinung war, ging er irgendwann.

"Ich wollte Musik für sich sehen und nicht nur unter politischen Gesichtspunkten", sagt er. Er gründete die Rockband Nox Nox, die zwei Platten auf den Markt warf und trotz der Unterstützung der Plattenfirma EMI und diverser Auftritte im Fernsehen erfolglos blieb. Die Erfahrungen mit der Politszene und der Plattenindustrie lehrten den gelernten Grafik Designer, dass es sich auf eigenen Füßen immer noch am besten steht. So etablierte er sich mit Soloauftritten, und er arbeitet als Gitarrenlehrer. Weit mehr als 500 Schüler hatte er schon. Viele davon wurden selbst wieder Profimusiker.

Natürlich gibt es Bands, die Battenstein geprägt haben: Beatles, Rolling Stones, Doors. Auch von Jazzmusikern und ihren vertrackten Harmonien ließ er sich beeinflussen. Und zwischendurch zeigt er, dass er sogar als klassischer Gitarrist sein Handwerk beherrscht. Mal klingt das ganz simpel, mal höchst kompliziert, aber immer klingt es nach Battenstein.

Dass man mit Weihnachtsliedern erfolgreich sein kann, hat Battenstein schon einmal festgestellt, vor 23 Jahren. Damals veröffentlichte er das Album "STILLE NACHT", eine Zusammenstellung von 50 traditionellen Weihnachtsliedern. Die CD wurde zum Hit. Über 25.000 Stück hat er davon verkauft, fast soviel wie von seinen 16 anderen Platten zusammen.

So was schreit natürlich nach einer Fortsetzung. Aber lange fehlte ihm die Inspiration. Die trat erst vor drei Jahren in sein Leben. In der Vorweihnachtszeit 2011 schien sich eine neue Beziehung anzubahnen. Und in der Melancholie des altbekannten Will-sie-mich-wirklich-Gefühls schrieb Thomas Battenstein ein Weihnachtslied, den "Silent Night Blues".

Längst ist die Angebetete bei ihm eingezogen. Und nach und nach keimte in ihm der Gedanke auf, den Jahrestag der Vereinigung mit einem ambitionierten Projekt zu krönen: ein zweites Weihnachtsalbum sollte her, auf dem auch jener "Silent Night Blues" eine würdige Heimat finden sollte.

Im Dezember 2013 fertigte er erste Skizzen. Aber so richtig legte Battenstein erst nach dem Jahreswechsel los, zu einer Zeit, in der die meisten Weihnachtsbäume längst von der Müllabfuhr abgeholt worden waren und die Weihnachtssüßigkeiten in den Regalen durch Schokoladenhasen und Marzipaneier ersetzt wurden. Um das festliche Gefühl in das neue Jahr zu transportieren, schottete sich der Künstler immer wieder mal für ein paar Stunden ab und zündete Kerzen an. Dann griff er in die Saiten. "Du musst die schon eine Atmosphäre schaffen", sagt er.

Mit den ersten Ergebnissen überraschte er seine Freunde Mitte Februar. Da ließ er die frischen Songs leise im Hintergrund laufen. Fragende Blicke wurden gewechselt, und dann erst nach einer Weile wagte jemand zu fragen: "Ist das Weihnachtsmusik?" Die Antwort lautete natürlich ja, und die Reaktionen waren durchweg enthusiastisch. "Hast du noch mehr davon?". Fragten die Freunde.

Kein Wunder, dass sie die Art mochten, wie Thomas Battenstein mit den Liedern umging. Wie er sie aus der Schwere ihres feierlichen Seins löste. Wie er aus Dur ein Moll machte und umgekehrt. Wie er das Tempo halbierte und umgekehrt. Wie er das Tempo halbierte und aus dem nervigen Last-Christmas-Gebimmel einen schönen Song formte. "Das ist 'Last Christmas' in Zeitlupe", sagt er und freut sich, dass ihm ein Gegenentwurf zum immer wieder gezeigten Schnee-Video mit George Michael gelungen ist, ein Video, das er gar nicht mag. "Ringelpiez" sei das, findet Thomas Battenstein.

Der Musiker macht keinen Hehl daraus, dass er Romantiker ist. Durch und durch. Dass er dabei manchmal hart am Rand des Klischees balanciert, bleibt nicht aus. Aber Battenstein hält immer die Waage. Er schützt die Erhabenheit der Vorlage, die ihm genau deshalb seine kleinen Spielereien erlaubt. "Ich will den Liedern meinen Stempel aufdrücken. Ich will den Kitsch vermeiden", sagt er. Das sei auch deshalb nicht leicht, weil er ja nur instrumental arbeitet. "Wenn Du nicht singst, muss die Gitarre erzählen", sagt er: "Du darfst nicht dudeln." Battenstein mag das Einfache, das Verspielte, das Unschuldige in den Liedern. "Das ist alles so herrlich harmlos", sagt er und liefert sich dieser Harmlosigkeit hemmungslos aus.

Übers Jahr führte die Beschäftigung mitunter zu skurrilen Momenten. Als alle sich freuten, dass die Tage länger wurden und der Sommer lockte, war Battenstein mit den Gedanken längst woanders. "Manchmal habe ich gedacht: Ach wird das schön, wenn es wieder früh dunkel wird und wenn es schneit." Ganz bewusst entzog er sich der Helligkeit und spielte Winter. "Das war wie mit einer Schublade im Tag. Wenn ich die aufzog, war Weihnachten", sagt er. Wenn er davon erzählt, sieht man ihn vor sich: Wie er erstaunt aus dem Dunkel des Tonstudios tritt und feststellt, dass die Welt um ihn herum noch lange nicht so weit ist wie in seiner Musik.

In diesem Jahr also fand Battenstein es gar nicht so seltsam, dass schon im Oktober die Nikoläuse im Kaufhausregal standen. Für ihn war das nur ein Zeichen dafür, dass nun endlich die Zeit für sein Werk kommen sollte. Denn das ist ja auch schon seit Mitte September auf dem Markt.

Hans Hoff, Welt am Sonntag, 30. November 2014